Ende der Kostenlos-Kultur?

Geschrieben von am 04. Jun 2012 in Allgemein - 8 Kommentare
Ende der Kostenlos-Kultur?

WordPress ist eigentlich vollkommen kostenlos: Die Software selbst ist OpenSource, darf für private wie kommerzielle Projekte gleichermaßen kostenfrei eingesetzt werden und den Funktionsumfang der eigenen WordPress-Installation kann man mit reichlich kostenlosen Plugins und Themes erhöhen. Außer Hosting- und ggf. Personalkosten fallen beim Betrieb eines Blogs oder einer Website mit WordPress erst einmal keine Kosten an.

Das hat in der Vergangenheit zu einer wahren Kostenloskultur unter vielen WordPress-Nutzern geführt: Warum sollte ich für etwas zahlen, dass es bisher kostenlos gab oder ähnlich von anderen kostenlos angeboten wird? Das galt bislang und gilt bei einigen Usern offenbar noch immer; So erhalte auch ich etwa regelmäßig Mails, in denen ich um Komplettinstallation und Theme-Anpassungen gebeten werden, kosten darf’s dann aber nichts.

Weg von der Kostenlos-Kultur?

Ende der Kostenlos-Kultur?

Ende der Kostenlos-Kultur?

Doch scheint diese Einstellung bei vielen WordPress-Usern ins Wanken zu geraten: In der kürzlich von Uwe Rammiger veranstalteten “großen WordPress-Umfrage” gaben zu meinem Erstaunen viele WordPress-Nutzer an, für WordPress-Leistungen auch zahlen zu wollen. So gaben knapp 71% der Teilnehmer (h=68, n=96)an, schon einmal ein “Premium Theme” gekauft zu haben, immerhin noch knapp 54% (h=52, n=97) haben nach eigener Aussage schon einmal ein kostenpflichtiges Plugin erworben. Über 45% der Antwortenden gaben zudem an mehr als 200,- EUR im Jahr für Plugins und Themes auszugeben.

Natürlich ist diese Umfrage keinesfalls repräsentativ, sie gibt aber ein sehr schönes Stimmungsbild ab. Und unter den Teilnehmern waren ebenso WordPress-Neulinge mit einer Installation wie auch “Heavy-User”, die seit Jahren mit WordPress arbeiten und zum Teil mehrere Installationen betreuen.

Gründe

Über die Gründe, die zu dieser Veränderung führen, kann man nur mutßmaßen. Meine Erfahrungen und Eindrücke sind aber, dass auf der einen Seite die Bereitschaft steigt gute Arbeit zu bezahlen. Da nehme ich auch gern mich selbst als Beispiel: Vor einigen Jahren war ich noch entrüstet, als Sergej Müller wpSEO plötzlich kostenpflichtig machte; Heute bin ich begeisterter Nutzer dieses Plugins und verteidige es freiwillig und voller Überzeugung gegenüber Kritikern und werbe auch gern dafür (das hat im Übrigen nichts damit zutun, dass Sergej wpLove.de mit einem Bannerplatz sponsored!).

Das wird auch dann deutig, wenn man sich die Verkaufszahlen bei Themeforest anschaut: Tausende Themes im Monat werden dort verkauft. Häufig auch deshalb, weil kreative Designer die Themes zu etwas Einzigartigem machen und mit reichlich Zusatzfunktionen ausstatten.

Einfache, schnelle Käufe

Drittens ist m.E. auch das Kaufen für die User einfacher geworden: Neben Themeforest und Mojo-Themes (als Marktplätze) kämpfen viele weitere WordPress-Designer um die Gunst der Käufer. Die haben es leicht: Meist ist der Kauf mit wenigen Klicks abgeschlossen und kann über PayPal bezahlt werden. Für wenige Euro/Dollar erhält man manchmal nicht nur ein Theme, sondern gleich mehrere nach freier Wahl oder gar einen Jahreszugang zu allen Themes. Rechnet man die Ausgaben runter, so kann man dann ein “Premium Theme” schon für einige Euro bekommen.

Unsicherheit

Zu guter letzt führen aber auch die kostenlosen Plugins und Themes selbst dazu bei, dass kostenpflichtige Angebote immer beliebter werden. Bekannt sind die Fälle, in denen Themes versteckte Links gesetzt haben oder Plugins aufgrund von Sicherheitslücken Angreifern Tür und Tor öffneten. Nicht erwähnt seien hier die zahlreichen Plugins, die seit Jahren von den Entwicklern nicht mehr angepasst werden und mit neuen WordPress-Installationen dann gar nicht laufen.

Benutzer – vor allem die aus dem professionellen und geschäftlichen Bereich – wollen und können keine Sicherheitsrisiken eingehen. Sie wollen nach einem Kauf Support erhalten und sich dabei in der Regel nicht in einem vollkommen überlaufenen Kommentar-Verlauf Gehör verschaffen wollen. Kostenlose Angebote bieten das aber nur selten an. Ganz anders aber Anbieter, die ihre Dienste verkaufen: Hilfe gibt’s da häufig schnell, kostenlos und unkompliziert.

Optimistisch in die Zukunft

Mich lässt das nur hoffen – und ich drücke allen Entwicklern und Designern die Daumen -, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.

Natürlich wird es Plugins und Themes in den nächsten Jahren auch weiterhin kostenlos geben. Aber die Selbstverständlichkeit, mit der man dieses Kostenlose annimmt und die Art wie man nach kostenloser Unterstützung fragen wird, wird sich sicherlich und hoffentlich ändern.

Dafür müssen die Designer und Entwickler aber auch etwas tun; So sehe ich leider auch eine Entwicklung, dass – und das fällt besonders bei Themeforest auf – die Preise für Themes etwa zwar steigen, die Qualität aber immer häufiger zu wünschen übrig lässt. Das mag ein sehr subjektiver Eindruck sein, aber die Warnung halte ich dennoch für berechtigt: Wer Geld verlangt, der muss dann auch ein gutes Produkt liefern und einen hervorragenden Support bieten. Das sehe ich immer seltener und ich kann nur hoffen, dass Anbieter wie Themeforest da mal wieder aufräumen oder sonst der Markt diese Reinigung selbst übernimmt.

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Über den Autoren

Mein Name ist Christian. Ich blogge bereits seit 5 Jahren - manchmal mehr, manchmal weniger erfolgreich. Weil ich in der Anfangszeit meiner Erfahrungen mit den von WordPress gebotenen Möglichkeiten unzufrieden war, habe ich mir einiges Wissen zu dieser tollen Software selbst beigebracht. Aus diesen Erfahrungen ist das Projekt wpLove.de geboren. Neben WordPress bringe ich mir aber auch das Thema SEO selbst etwas näher.

8 Kommentare zu "Ende der Kostenlos-Kultur?"

  1. Vincent 4. Juni 2012 um 17:05 · Antworten

    Ich find das kein Problem. Schließlich kommen mehr “qualitative” Sachen, dafür kostenpflichtig. Kostenlose wird es ja weiterhin zahlreich geben!

    • Adrian 4. Juni 2012 um 17:21 · Antworten

      Aber die wird es auch nur dann weiterhin zahlreich geben, wenn Entwickler Dank und manchmal auch finanzielle Unterstützung für ihre Arbeit bekommen. Immer nur nehmen und nichts geben, ist halt ein sehr einseitiger Weg.
      Nun bin ich kein Entwickler und weiß nicht, wie lange ein Plugin oder Theme in Anspruch nimmt. Aber der letzte Umbau eines Premium Themes hat schon 30 Stunden in Anspruch genommen, das wird bei Plugin-/Theme-Entwicklung wahrscheinlich noch deutlich mehr sein.

      • Ralf 5. Juni 2012 um 11:20 · Antworten

        Man bezahlt ja nicht die einzelnen Stunden die jemand für ein Theme Plugin benötigt, sondern das Wissen und die Erfahrung die dahinter stecken.
        Leider ist es aber auch so, dass viele Entwickler in schnell zusammen gefrickelte Themes und Plugins eine Möglichkeit sehen leicht Geld zu verdienen. Wenn Ich mir so manches Plugin/Theme anschaue, dann frage Ich mich ob derjenige dafür wirklich Geld haben will. Ich würde auf alle Fälle mein Geld zurück haben wollen. Das vermeintlich schnell verdiente Geld ist also auch ein Anreiz seine “Arbeit” nicht kostenlos her zu geben.

  2. Sven 5. Juni 2012 um 11:37 · Antworten

    Ich würde mich freuen, wenn WP-Plugins nicht nur kostenlos in das WP-Plugin-Verzeichnis eingestellt werden könnten. Dann würden bestimmt einige (inkl. mir) “private” bzw. firmeneigene Plugins und Funktionen für Preis X bereitstellen oder sich noch mehr auf die Entwicklung von WP-Plugins fokussieren.

    • Adrian 5. Juni 2012 um 11:58 · Antworten

      Wäre eine Idee und die logische Schlussfolgerung auf kostenpflichtige Themes im offiziellen Verzeichnis (bzw. das Verlinken kommerzieller Anbieter im offiziellen Verzeichnis). Mit dem Aussperren von Plugins mit einem Spendenbereich aus dem offiziellen Plugin-Verzeichnis macht sich und uns WordPress aber keine Freude.

  3. Alexander 18. Juni 2012 um 11:17 · Antworten

    Als rein privater Blogger, der mit der Seite keinen Cent verdient (und für Hosting und Domain sogar zahlt), würde ich sicher nicht mehr auf WordPress setzen, wenn alles kostenpflichtig wäre.
    Wenn aber einige, gute Templates und Plugins kostenpflichtig sind (so, wie das jetzt schon der Fall ist), habe ich damit allerdings natürlich kein Problem. Es gibt ja (fast) immer auch kostenlose Alternativen, die zwar teilweise im Fuktionsumfang eingeschränkt sind (v.a. Plugins) oder einfach nicht ganz so hochwertig aussehen (Themes), aber das ist für einen rein privaten Blogger erstmal irrelevant.
    Eine komplette Umstellung der Plugins und Themes auf kostenpflichtig wäre sicher das Ende der Popularität von WordPress – zumindest im privaten Bereich. Dann würde ein anderes CMS WordPress den Rang ablaufen.

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